Das Geheimnis weniger Fehler zu machen und motiviert zu bleiben
Karsten Wusthoff 4. Februar 2011Foto: elycefeliz
“Den größten Fehler, den man im Leben machen kann, ist, immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen.” – Dietrich Bonhoeffer
“Ein Mensch würde nie dazu kommen, etwas zu tun, wenn er stets warten würde, bis er es so gut kann, dass niemand mehr einen Fehler entdecken könnte.” – John Henry Newman
So nach langer Abstinenz wage ich mich nun wieder mal an die Tastatur. Ich entschuldige mich in aller Form bei allen Lesern, dass ich so lange nix geschrieben hab. Aber es gab einiges zu tun, das meine Aufmerksamkeit an sich band. Aber jetzt geht’s auch direkt los mit einer kleinen Geschichte:
Schreib, Sklave!
Als ich 2010 eine Ausbildung begann, war ich sehr motiviert. Es hörte sich alles ganz cool an (Werbeagentur… WUHU), ich konnte kreativ sein und unsinnige Ideen auf Plakate drucken lassen. Hab ich gedacht. Denn ich wurde zum Texte schreiben bestellt und musste leider feststellen, dass meine Fähigkeit zu Schreiben nicht wirklich den Anforderungen entsprach. Nicht weil ich nicht schreiben kann (wenn ich das glauben würde, wär ein Blog wohl nicht das passende Medium für mich), sondern weil ich nicht so schreiben konnte, wie der Kunde bzw. meine Vorgesetzte das gerne hätte: Steif, unlustig, beknackt, arschkriecherisch, gestelzt, “ich mal lieber 2 Stunden lang konzentrische Kreise auf ein leeres Blatt als das zu lesen”-langweilig.
Jedes mal, wenn ich einen Text zur Kontrolle abgab und mich daraufhin versuchte durch Internet-”Recherche” abzulenken, hatte ich geradezu Panik vor dem Feedback. Ich muss dazu sagen, dass ich da bereits über ein ordentliches Selbstbewusstsein verfügte und nicht gerade ein Ja-Sager war. Dennoch brachte es meine Chefin dank ihres wahnsinnig kompetenten Stil fertig, mein Selbstbewusstsein langsam zu zermürben und mich total beknackt zu machen. “Das macht man einfach nicht” ist nunmal nicht die perfekte Basis für ein konstruktives “Hey, ich lerne was” Gespräch.
Das führte dann soweit, dass ich morgens mit Bauchschmerzen aufgewacht bin (nach nur 1 1/2 Monaten!) und irgendwie den ganzen Laden in die Luft sprengen wollte. Ist ja klar. Wird man zu etwas gezwungen, das man niemals zufriedenstellend bzw. gut erledigen kann… naja das kann schonmal frustrieren. Im Endeffekt hab ich dem Ganzen ja dann auch den großen Mittelfinger gezeigt und bin gegangen.
Gut sein vs. Besser werden
Was war, neben den total beschissenen Anti-Qualitäten meiner sogeschimpften Ausbilderin, das Problem an der Sache? Wieso hab ich meine anfängliche Motivation verloren und warum wurden diese merkwürdigen Tagträume mit viel Blut und Innereien immer häufiger? Ich sag’s euch:
Anstatt dem Vorhaben “Besser zu werden”(aka zu lernen) hab ich mich auf “Gut sein” umpolen lassen. Mein Erfolgs-Misserfolgs Denken hing also nicht mehr von den Verbesserungen ab, die ich durchmachte, sondern vielmehr von dem absoluten Endurteil der Königin der Verdammten.
“Hey, nur noch 10 Fehler” wurde zu “Ach scheiße, ich kanns einfach nicht! Wo ist der Schnaps?” . Und das noch viel Schönere ist: Ich begann wieder “schlechter” zu werden. Der Druck gut genug zu sein, machte mich so beknackt, dass ich keinen geraden Satz mehr aufs digitale Papier bekam. Und das lag nicht an der hauseigenen “Wir sind so hip”-Comic Sans ähnlichen-scheiß Schriftart!
Kurzum: Ich hab es mir selbst verboten Fehler zu machen. Es gab nur noch “Gut” oder “Schlecht”, Schwarz und Weiß. Ich erwartete viel zu viel von mir selbst – unschaffbar zu dem Zeitpunkt. Fehlschläge zu 100% vorprogrammiert. Und so machte ich nur noch mehr Fehler und wurde sensationell viel schlechter, als ich jemals vorher war. Ich fühlte mich wertlos.
100% Erfolg – Die Vorteile des “Besser werden”
In meinen Coachings bemerke ich immer wieder den gleichen Ansatz: Kunde erwartet viel zu viel von sich (z.B. Handynummer einer Frau beim ersten Versuch bekommen) und scheitert verständlicherweise. Wenn man das erste mal auf offener Straße eine fremde Frau anspricht, sind die Chancen die Nummer zu bekommen eben verschwindend gering. Natürlich hat er Fehler gemacht und sein Ziel nicht erreicht. Ergo: Er denkt sich “Ach verdammt ich kanns einfach nicht!” Ergo #2: Die Motivation verabschiedet sich und Frustration stellt sich ein. Dabei ist es so einfach, Erfolg zu haben.
Einfach folgende “Regeln” befolgen:
- Lieber fehlerhaft beginnen, als perfekt zögern. Das Wichtigste ist, dass du in Bewegung kommst. Das ist zugleich auch der schwerste Schritt.
- Du kannst es nicht sofort können. Wenn es so wäre, dann hättest du ja kein Problem. Dir werden Fehler passieren und das ist auch OK. Du darfst Fehler machen! Gib dir Zeit.
- Frag nach Hilfe, wenn du nicht weiterkommst. Kein Mensch kann alles allein schaffen. Ab und zu braucht man jemanden, der einem unter die Arme greift. Auch das ist OK. Du brauchst nicht sofort perfekt zu sein.
- Vergleich dich nicht mit anderen oder unmöglichen “Soll-Zuständen”, dem “Gut sein”. Konzentrier dich auf den Prozess des Lernens, des “Besser werdens”. Vergleich dich mit dir selbst: Wie war es gestern, wie ist es heute? Dann ist alles, was du tust auch wenn der Schritt noch so klein sein mag, ein Fortschritt = Erfolg! Der Weg ist das Ziel.
- Halte deine Fortschritte schriftlich fest, um dich in Zeiten der Demotivation an deine Errungenschaften erinnern zu können. Messbare Erfolge sind die, die dich nachhaltig motivieren.
Beachtest du diese einfachen 5 Regeln, werden dich Rückschläge weniger mitnehmen. Du wirst langfristig weniger Fehler machen, der Erfolgsdruck fällt weg und du hast mehr Spaß an der Sache an sich.
So und nu geh raus und mache Fehler
***
Karstens Bitte an dich: karsten’s life lebt von seinen Lesern. Meine Aufgabe ist es, dir Mut zu machen und neue Wege aufzuzeigen. Ist dir auch nur das kleinste Licht aufgegangen, nimm dir 2 Sekunden und teile diesen Artikel



